Nikola Zivkovic in TV Deutsche Welle World

Mitglied des Zentralrats der Serben in TV Sendung Deutsche Welle World zum Thema „Unabhängiges Kosovo – welchen Preis zahlt Europa?“

 

 

 

 

 

 

 

Berlin, 26.02.2008 (DW/ZSD) Unter dem Titel „Unabhängiges Kosovo – welchen Preis zahlt Europa?“ nahm sich der Sender TV Deutsche Welle World auch des Kosovothemas an. Unter den eingeladenen Diskutanten war auch unser Mitglied, der Journalist Nikola Zivkovic aus Berlin. Wir übernehmen die Anündigung zur Sendung der Redaktion TV Deutsche Welle World. Am Ende der Information können Sie auch die Sendung hören und sehen.  

„Unabhängiges Kosovo – welchen Preis zahlt Europa?“

"Ich komme aus dem Kosovo. Nun habe ich einen eigenen Staat", steht auf frischgedruckten T-Shirts, die Straßenhändler in Pristina verkaufen. Seit wenigen Tagen leben sie in einer "demokratischen, säkularen und multi-ethnischen Republik", wie Regierungschef Hashim Thaci in der Unabhängigkeitserklärung betonte.

Doch die neue Flagge des Kosovo – die Umrisse des Gebiets vor EU-blauem Hintergrund, geschmückt von sechs Sternen für die ethnischen Minderheiten – ist in dem bunten Fahnenmeer auf den Straßen kaum zu sehen. Hier flattert vor allem der albanische Doppeladler zusammen mit den Flaggen einiger "Unterstützernationen" wie den USA, Frankreich oder Deutschland. Der neue Staat wird es nicht leicht haben – nicht nur, was die Identitätssuche betrifft. Denn bislang steht seine Unabhängigkeit auf wackeligen Füssen.

Die Vereinten Nationen haben dem Kosovo eine völkerrechtliche Anerkennung bisher verweigert. Für sie gilt noch immer ihre Resolution von 1999, nach der das Kosovo im Rahmen des serbischen Staates autonom ist. Vor allem Russland stellte sich gegen eine Anerkennung, zum einen, weil die Unabhängigkeit gegen den Willen Serbiens erklärt wurde, zum anderen, weil die Föderation einen Präzedenzfall für eigene Minderheitenkonflikte befürchtet. Diese Sorge teilt auch Veto-Macht China, nachdem Taiwan unabhängig von der chinesischen Regierung das Kosovo anerkannt hatte.

Auch die Europäische Union konnte sich bislang nicht auf eine geschlossene Haltung gegenüber dem neuen Balkanstaat einigen. Sie verfasste lediglich eine gemeinsame Stellungnahme, in der sie die Unabhängigkeitserklärung des Kosovo zur Kenntnis nahm. Ebenso wie Russland und China fürchten auch einige europäische Staaten, allen voran Spanien und Zypern, dass ein neuer Staat Kosovo den Sezessionsbewegungen in ihren Ländern ein Vorbild liefert.

Mit seiner einseitigen Unabhängigkeitserklärung hat das Kosovo der internationalen Staatengemeinschaft eine Antwort gegeben auf die jahrelange, von UNO und EU unterstützte jedoch wenig erfolgreiche Suche nach einer friedlichen und für alle Seiten akzeptablen Lösung für den Balkan. Aber diese Antwort provoziert nun neue Fragen: Ist die Abspaltung völkerrechtlich tragbar? Darf dem Selbstbestimmungsrecht der Kosovo-Albaner eine größere Bedeutung beigemessen werden als der territorialen Hoheit Serbiens? Wird das Kosovo tatsächlich zum Präzedenzfall für andere Abspaltungsbewegungen in Europa? Und werden die Beziehungen zwischen Russland und dem Westen durch die Anerkennungsfrage weiter belastet?

Unsere Gäste waren:
Michael Wolffsohn – Der Historiker und Politologe lehrt an der Bundeswehr-Universität München neuere Geschichte. Seine Forschungsschwerpunkte liegen auf dem Gebiet der internationalen Beziehungen, der israelischen und deutsch-jüdischen Geschichte. Er ist Autor zahlreicher Bücher und schreibt für mehrere Zeitungen im In- und Ausland.
Nikola Zivkovic – Der serbische Journalist ist 1950 in Dragosevci im ehmaligen Jugoslawiengeboren. In Zagreb studierte er Philosophie und Geschichte bevor er für ein Aufbaustudium 1980 nach Deutschland kam. Seitdem lebt er in Berlin und schreibt für zahlreiche deutsche, serbische, englische und russische Zeitungen.
Milazim Vllasaliu – Der gebürtige Kosovo-Albaner lebt seit 1991 in Berlin. Hier moderiert er für den Rundfunk Berlin-Brandenburg das albanische Programm bei Radio Multikulti.


Sie können nun die Sendung „Quadriga“ von TV Deutsche Welle World hier sehen:

 




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