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Nur auf dem rechten Auge blind?

Berlin, 29.11.2011 (ZSD) - Der Zentralrat der Serben in Deutschland ist erschüttert über die in den letzten Wochen ans Tageslicht getretenen Ereignisse in Deutschland.

6 Türken, 2 Kurden und 1 Grieche wurden in den letzten 10 Jahren gezielt von einer bislang offensichtlich unbekannten neofaschistischen Organisation, mit dem Namen „Nationalsozialistischer Untergrund“ (NSU), getötet. Es handelt sich um organisierte Morde, rassistisch motiviert und mit großer Brutalität ausgeführt.

Der ZSD verurteilt jede Art rechtsextremistischer Aktivitäten. In den letzten 20 Jahren sind 156 Menschen mit Migrationshintergrund durch rechtsmotivierte Gewalt zu Tode gekommen. Manche von ihnen wurden auf der Straße verfolgt und regelrecht gelyncht. Sie mussten sterben, weil sie aus Afrika, Asien, oder nur einem anderen Land Europas kamen. In Deutschland suchten sie einen Neuanfang, ein Leben in Frieden und Freiheit. Sie fanden statt dessen Hass, Gewalt und den Tod. Dieser Zustand darf unter keinen Umständen geduldet werden. Den rassistischen Untrieben in Deutschland muss Einhalt geboten werden. Der ZSD verurteilet jegliche Fremdenfeindlichkeit und Ausgrenzung!

Die bekanntgewordenen Morde haben das Vertrauen in den Rechtsstaat vieler Einwanderer, auch das der Serben, in Deutschland erschüttert.
Warum haben Verfassungsschützer bei der Mordserie der rechten Terrorzelle versagt? Wurden durch V-Leute Aktivitäten solcher Zellen womöglich noch zum Handeln ermutigt. Handelten es sich wirklich nur um unzureichende Ermittlungen seitens der Polizei und des Verfassungsschutzes?
Wurden die Ermittlungen der Sicherheitsbehörden durch eine rassistische Mentalität in den Behörden vielleicht verhindert oder rechtsextreme Organisationen gar unterstützt? Sind die Sicherheitsbehörden nur zufällig auf dem rechten Auge blind und fixieren sie sich nur auf den linken und islamistischen Terrorismus? Werden durch die immerwährende „Integrationsdebatten“ die Einwanderer nicht ständig auf die Anklagebank gesetzt? Diese und eine Reihe von anderen Fragen sind jetzt zu beantworten! Eine rasche Aufklärung der Mordserie ist deshalb dringend notwendig. So etwas darf sich in Deutschland nicht wiederholen!

Die getöteten Mitbürger waren gut integrierte Kleingewerbetreibende.
Durch ihre Ermordung wollten die Mörder Zeichen setzten: „Nein auch den gut integrierten Einwanderer wollen wir nicht haben! Wir wollen gar keine Ausländer unter uns haben! Wir wollen ein Deutschland für Deutsche!“. Die Behörden ermittelten von Anfang an in falsche Richtungen.
Einen möglichen rechtsmotivierten Hintergrund schlossen sie von Anfang an aus, obwohl Verwandte und Bekannte der Opfer jegliche Verbindung der Getöteten zur Mafia oder extremistischen, politischen Gruppen bestritten.
Es kommt einem Generalverdacht gleich: „Jeder eingewanderte Kioskbesitzer oder Dönergrillinhaber ist gleich in Mafiakreisen verstrickt. Wenn dann Straftaten begangen werden, so müssten die Opfer doch selbst Schuld daran tragen!“

Das rechtsextremistische Parteien integrationshindernd sind, steht außer Frage. Was den meisten Einwanderern vielmehr Angst macht, ist dieser latente und gelebte Rassismus in dieser Gesellschaft, die „gefühlte Fremdenfeindlichkeit“, den viele Einwanderer tagtäglich erleben. 23% der deutschen Gesellschaft sollen rassistisch eingestellt sein! Es sind Rassisten, welche mitten unter uns leben! Migration und Integration ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Deshalb sollte jeder von uns etwas tun, indem er genau hinsieht und nicht wegschaut, indem wir handeln anstatt zu warten!

Der ZSD will in diesem Zusammenhang an das viel zitiert, aber immer noch aktuell berühmte Zitat Martin Niemöllers
erinnern:

„Als die Nazis die Kommunisten holten,
habe ich geschwiegen,
ich war ja kein Kommunist.

Als sie die Sozialdemokraten einsperrten, habe ich geschwiegen, ich war ja kein Sozialdemokrat.

Als sie die Gewerkschafter holten,
habe ich geschwiegen,
ich war ja kein Gewerkschafter.

Als sie mich holten,
gab es keinen mehr,
der protestieren konnte.“

Wir solidarisieren uns mit unseren türkischen, kurdischen und griechischen Mitbürgern und unterstützten die Aktion des Türkischen Bundes Berlin-Brandenburg (TBB) am Samstag den 3.12.2011 in Berlin (siehe
Anlage) und den Aufruf des Migrationsrates Berlin – Brandenburg (MR) zur Demonstration am Tag der Menschenrechte am Samstag den 10.12.2011 in Berlin




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