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Multikulti und «Polylux» endgültig abserviert

endgültig - Radio Multikulti und das TV-Magazin «Polylux» werden eingestellt

Berlin, 23.05.2008 (RBB/epd/ZSD) - Es ging ganz schnell und Widerstand war zwecklos: Der Rundfunkrat des RBB hat einstimmig beschlossen, Radio Multikulti und das TV-Magazin «Polylux» einzustellen. Der Sender will sich beides nicht mehr leisten.

Der Rundfunkrat des Rundfunks Berlin-Brandenburg (RBB) hat die angekündigte Einstellung der Hörfunkwelle Radio Multikulti und der Fernsehsendung «Polylux» bestätigt. Trotz öffentlicher Proteste und kontroverser Debatte beschloss das Aufsichtsgremium am Donnerstagabend in Potsdam einstimmig eine entsprechende Resolution. Darin werden die Sparmaßnahmen angesichts der «wirtschaftlichen Notlage» des Senders als «unabwendbar» bezeichnet. Die Türkische Gemeinde in Deutschland kritisierte am Freitag den Einstellungsbeschluss.

Die Abschaltung des mehrsprachigen Radioprogramms ist zum Ende des Jahres geplant.

Der Rundfunkrat forderte Berlin und Brandenburg dazu auf, sich «mit allem Nachdruck» für eine Änderung des Gebührenverteilsystems innerhalb der ARD ab 2009 einzusetzen. In der Region seien überdurchschnittliche Einnahmeausfälle wegen sozial begründeter Gebührenbefreiung zu verzeichnen, die nicht kompensiert würden. Zugleich drängte der Rat darauf, Integration und Multikulturalität stärker als bislang zum Querschnittsthema aller Programme zu machen.
«Unverantwortliche Absage an die kulturelle Vielfalt»
Vor der Sitzung war erneut heftige Kritik an der Einstellung des Integrationsprogramms Radio Multikulti laut geworden. Sowohl die Grünen-Fraktionschefin im Bundestag, Renate Künast, als auch die Berliner Akademie der Künste kritisierten die Entscheidung. Akademiepräsident Klaus Staeck erklärte, die ARD leiste sich damit «eine unverantwortliche Absage an die kulturelle Vielfalt».
In der Rundfunkratsdebatte warb RBB-Intendantin Dagmar Reim um Unterstützung für den Sparkurs. Mit der Übernahme der Hörfunkwelle Funkhaus Europa vom WDR gebe es eine «akzeptable Ersatzlösung» für Radio Multikulti. Freie Mitarbeiter aus Berlin würden ab 2009 für die arabischen, polnischen und russischen Sendungen des WDR-Senders zuliefern. Weitere Details müssten noch verhandelt werden, sagte RBB-Hörfunkdirektor Christoph Singelnstein.
Nicht die »einzige Form von Integrationsprogramm«
Kritik übte Rundfunkratsmitglied Susanne Stumpenhusen von der Dienstleistungsgewerkschaft ver.di. Die RBB-Geschäftsleitung habe «keine konkreten Berechnungen aller Varianten» vorgelegt, erklärte sie. Der Vorschlag von Bärbel Grygier (Linkspartei), als Ausgleich für Radio Multikulti in anderen RBB-Programmen «Integrationsquoten» einzuführen, stieß auf Ablehnung.

Zustimmend äußerten sich vor allem der Berliner CDU-Fraktionschef Friedbert Pflüger und brandenburgische Ratsmitglieder. Pflüger warnte davor, Radio Multikulti «als einzige Form von Integrationsprogramm» zu sehen und die Zustimmung zur Einstellung falsch zu interpretieren.
Scharfe Kritik übte am Freitag die Türkische Gemeinde. «Es ist nicht nur ein falsches Signal an die Migrantengesellschaft, sondern auch an die Mehrheitsgesellschaft», erklärte der Bundesvorsitzende des Dachverbandes, Kenan Kolat. Während beim Integrationsgipfel der Bundesregierung über die Öffnung der Medienanstalten für Zuwanderer diskutiert werde, beschließe der RBB «das genaue Gegenteil».
Ansehen des öffentlich-rechtlichen Rundfunks angekratzt
Neben der Glaubwürdigkeit des Nationalen Integrationsplans sei nun auch das Ansehen des öffentlich-rechtlichen Rundfunks angekratzt, der gerne mit seinem multikulturellen Programmangebot werbe. Zudem sei die geplante Übernahme der WDR-Welle Funkhaus Europa noch keineswegs sicher. Möglicherweise werde die zuständige Behörde, die Medienanstalt Berlin-Brandenburg, diese Verwendung der bisherigen Radio-Multikulti-Frequenz wegen des dann fehlenden Landesbezuges ablehnen.




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